Mai Lan

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Salaheldin

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Ruth

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Peter

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Pavlo

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Michael

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Maryna

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Mamadou

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M. H.

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Kurt

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Ismail

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Irén

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Irada

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Hubert

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Agnes

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Dimitrie

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Ahmad

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Agnieszka

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Abdi

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Thi Mai Lan Le

Vietnam

2015

Auszüge aus Interview

„Vietnam ist ein sehr lautes Land. Es ist alles unorganisiert. Vietnamesen sind planlos. Sie denken und entscheiden spontan und nicht wie hier in Deutschland, man setzt sich hin: man überlegt schon einmal, was man am Freitag einkaufen möchte, was man am Nachmittag macht oder am Abend des nächsten Tages zu Essen kocht.“

„Wenn man hier in Deutschland zu einer Feierlichkeit einlädt, dann ist man sehr, sehr pünktlich, dann steht man bereits eine halbe Stunde eher da. Bei uns kommt man eine halbe Stunde später an. Man hat so ein Gefühl, wenn ich als Erster komme, dann bin ich gierig auf Essen und Feiern.“

„Ich habe mir als deutsche Eigenschaft Respekt vor Menschen angenommen – sehr. Man wird in Deutschland als Mensch behandelt. Bei uns im Vietnam, wenn man kein Geld hat, dann kannst du es schon vergessen. Egal wo ich hingehe, zu irgendeinem Termin, ins Rathaus oder zu Ärzten oder in den Kindergarten, hier in Deutschland muss man nie den Gedanken im Kopf haben, im Briefumschlag ein paar Scheine zu geben. […] In Vietnam geht eben nichts ohne Briefumschläge mit Geld. Dass man sagt, ich stecke 20 oder 50 € dazu. Dann fühlt man sich sicherer, dass man dort besser behandelt wird.“

„Ich bin stolz, dass ich so aussehe. Ich bin stolz, wenn mich jemand fragt, woher kommst du. Ich habe mich noch nie geschämt, dass ich eine Ausländerin bin. Ich bin stolz, dass ich aus Vietnam komme. Als Kind habe ich damit Probleme gehabt, aber nicht bei erwachsenen Leuten. Sondern bei Leuten in meinem Alter, dass sie gesagt haben: Sching schang schong. Und ich habe gesagt, das ist nicht meine Sprache, ich komme aus Vietnam. Soll ich dir zeigen, wie man Vietnamesisch spricht? Ich habe sonst nie ein Problem gehabt.“

„Meine Kinder haben ganz klassische deutsche Namen. Das war mir wichtig. […] Aber die Kinder haben auch einen vietnamesischen Namen, jeder. Damit die Großeltern sie auch rufen und bei ihren Namen nennen können. Die vietnamesischen Namen haben auch immer eine Bedeutung.“

„Der Vater ist ganz alleine nach Deutschland gekommen. Und wir sind alle zurückgeblieben. […] Aber meine Mama hat gesagt, das war damals für ihn eine große Chance, in ein anderes Land zu gehen, dort zu arbeiten und das andere Geld zu verdienen. Er hat auch sechs Geschwister, und er ist der älteste Sohn im Haus. Er trägt alles auf seinen Schultern. […] Er konnte uns seinen Lohn schicken und damit seine Familie In Vietnam versorgen.“

„Als Kind in Vietnam musste ich viel mithelfen. Es ist üblich, bei uns gibt es keine Kinderrechte. Mit acht Jahren muss man schon Geschirr auswaschen und putzen und sich auf den Markt setzen und unterstützen, Gemüse zu verkaufen.“

„Beim Ankommen in Deutschland habe ich mich gewundert über so viele Autos und Hochhäuser. […] Wir kennen diese Kälte nicht. Wir haben jeden Tag im Schnee gespielt. Das war ein sehr positives Erlebnis. Wir haben richtig schöne, dicke, warme Jacken bekommen. Bei uns muss man, wenn es kalt ist, zwei Hosen anziehen und drei Pullover.“

„Als Kind in Vietnam denkt man dann, die Eltern sind reich, die schicken Klamotten. Ich hatte auch eine schöne Jacke und so einen Flummiball oder diese runden bunten Kaugummis, und da haben wir das im Dorf gezeigt. Und wo wir hierherkamen, da hatten wir diese Gedanken gar nicht mehr. Weil wir haben genau gesehen, wie hart die Eltern arbeiten. Auch am Sonntag haben sie gearbeitet.“

„Wenn wir nach Vietnam kommen, denken die immer, wir sind reich. Und die sagen dann, bringt uns bitte dies und das mit. Aber wir können das nicht. Wir müssen hier wirklich hart arbeiten. Wir leben nicht von Amt, wir möchten auch keine Unterstützung bekommen. Das möchten wir unseren Kindern zeigen, genau wie unsere Eltern es uns gezeigt haben […] Aber wir teilen auch wirklich alles was wir haben. Wenn wir merkten die Verwandtschaft braucht Hilfe, dann helfen wir auch. Die Vietnamesen leben halt zusammen. Einer ist für den anderen da.“ 

„Ich spreche mit meinen Kindern vietnamesisch und deutsch. Vietnamesisch ist ihre Muttersprache, obwohl sie die deutsche Staatsangehörigkeit haben. Ich bin stolz, dass sie zweisprachig sind. Schreiben können sie nicht, aber sie sprechen fließend.“

„Für mich ist Deutschland meine Heimat. Ich bin mit zwölf hierhergekommen. In Vietnam habe ich noch nicht viel erlebt. Aber in Deutschland habe ich auch einen Teil meiner Kindheit verlebt. Ich habe viel von den Deutschen gelernt, viel gesehen und viel kennengelernt. Ich denke, Deutschland spielt eine große Rolle für unsere Familie. Deutschland hat uns gezeigt, dass man nicht immer auf derselben Stelle stehen bleiben muss. Bei uns in Vietnam […] haben Frauen nicht viel zu sagen. Und hier in Deutschland habe ich gelernt: Wer bin ich als Mensch und auch als Frau?! Ich kann auch sagen, das möchte ich nicht. In Vietnam ist das sehr, sehr schwierig.“

„Für uns Vietnamesen, wenn die hierherkommen, ist das größte Problem die Sprache. […] Wenn man hier in Deutschland lebt, muss man auch zeigen, ich bin hier. Natürlich sollte man eine Seite von seiner Kultur beibehalten. Aber wenn man hier lebt und mit den Leuten umgehen möchte, muss man die Leute auch verstehen. […] Damit ich in einem Gespräch nicht sagen muss, ich traue mich nicht, weil ich habe Angst, etwas Falsches zu sagen.“

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